Auf der Spur des Geldes

Seit Anfang des Jahres ist in Deutschland eine Neufassung der EU-Geldwäscherichtlinie in Kraft. Eine Vielzahl an Bestimmungen müssen von Unternehmen beachtet werden – nicht nur in der Finanzbranche, sondern bei zahlreichen Handelsgeschäften. ClariLab, das neue Joint Venture der SCHUFA und des Start-ups fino, bietet verpflichteten Unternehmen Lösungen, die regulatorischen Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung direkt und einfach umzusetzen.

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FOTOGRAFIE_ SCHUFA

DATUM_ 26. Juni 2020

Weltweite Geldwäscheprävention
 

In einer globalisierten und digitalen Welt macht Geldwäsche nicht an Ländergrenzen halt. Die Financial Action Task Force (FATF) ist das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche. Die FATF setzt Standards. Und obwohl die Standards als nicht unmittelbar bindendes Recht keine unmittelbare Wirkung entfalten, haben sie bislang mehr als 170 Länder für sich als verbindlich und bindend anerkannt – darunter auch Deutschland in Form der EU-Geldwäscherichtlinie und des deutschen Geldwäschegesetzes. 2020 wird ein spannendes Jahr: Die FATF prüft die Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland und nimmt dabei besonders die Aufsichtsbehörden unter die Lupe.

100 Milliarden Euro jährlich – darauf beläuft sich allein in Deutschland das Geldwäschevolumen laut einer Analyse des Bundesfinanzministeriums. Ein Betrag, der Wirtschaft und Gesellschaft einen deutlichen Schaden zufügt. Geldwäsche ist kein Kavaliersdelikt. Kriminelle bringen ihre Gelder aus Straftaten wie zum Beispiel Drogenund Waffenhandel in den legalen Geldkreislauf, so dass nicht mehr nachvollziehbar ist, woher das Kapital kommt.

Die Anfang des Jahres in Kraft getretene Neufassung des Geldwäschegesetzes (GwG) verschärft die Verpflichtungen für Unternehmen, neue Geschäftspartner genau zu prüfen und bei Verdacht der Aufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes zu melden. „Denn betrügerische Absichten und Cyber-Kriminalität nehmen seit Jahren zu“, stellen Tobias Eiss von der fino create GmbH und Tobias Weber von der SCHUFA Holding AG fest. Beide werden künftig die Geschäftsführung der ClariLab GmbH & Co. KG bilden. „Die zeitlichen Intervalle, in denen der Gesetzgeber die regulatorischen Anforderungen anpasst und erhöht, werden immer kürzer“, erklären beide. So handelt es sich bei der aktuellen GwG-Novelle bereits um die fünfte Fassung seit 1993.

 

Für Unternehmen ist der KYC-Prozess extrem kosten- und zeitintensiv

Die Umsetzung des Geldwäschegesetzes stellt daher immer mehr Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Prüfung der Geschäftspartner – auch KYC-Prozess (KYC = Know Your Customer) genannt – ist ein recht aufwendiges Verfahren: Es gilt, zahlreiche Richtlinien auf nationaler wie auf europäischer Ebene zu berücksichtigen. Dazu müssen Unterlagen gesondert angefordert werden, die gegebenenfalls nicht maschinenlesbar sind. Bislang war ein automatisierter KYC-Prozess daher für viele Unternehmen kaum darstellbar. „Nicht selten sind über ein Dutzend Mitarbeiter in einer Bank allein mit der Überprüfung von Kunden und Geschäftspartnern beschäftigt. Und KYC ist eine Pflicht, sie bringt der Bank kein Geld ein“, so die Erfahrungen von Tobias Eiss.

Die ClariLab GmbH & Co. KG mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein Joint Venture, das im April 2020 von der SCHUFA Holding AG und dem Fin-Tech-Unternehmen fino run GmbH aus Kassel gegründet wurde. In ihr sollen zukünftig die Aktivitäten rund um KYC-Dienstleistungen gebündelt werden. Mit der Gründung von ClariLab baut die SCHUFA das strategische Geschäftsfeld Compliance sowie ihre B2B-Aktivitäten konsequent weiter aus und hat sich mit fino einen ausgewiesenen Experten für digitale Prozesse ins Boot geholt. Denn beide, die SCHUFA und fino, sehen in diesem Themenfeld großes Potenzial, das nun mit der neuen Gesellschaft ClariLab gemeinsam gehoben werden soll. Beide Unternehmen haben bereits 2018 die Lösung KYCnow entwickelt, die jetzt in das Joint Venture überführt wird. Die Plattform ermöglicht Kunden, direkt eine Anfrage an die Datenbank der SCHUFA zu stellen und in Sekundenschnelle eine KYC-Aktezu erhalten. Darin enthalten sind alle relevanten Unternehmensinformationen, die es zur Risikobeurteilung eines Geschäftspartners braucht. „Ohne KYCnow kann der Prüfprozess bis zu acht Wochen dauern“, erklärt Tobias Weber – das ist für einen Geschäftsabschluss nicht unbedingt förderlich.

Tobias Eiss (fino) und Tobias Weber (SCHUFA) sind die Geschäftsführer von ClariLab.

Eine Lösung als Baukastenprinzip

ClariLab macht seinem Namen alle Ehre: Es entwickelt in einem dynamischen Umfeld die Produkte, die es für klare und saubere Geschäftsbeziehungen braucht. Insbesondere Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute, aber auch Groß- und Einzelhändler, Immobilienmakler und Auktionshäuser sind im Sinne des neuen Geldwäschegesetzes zur Prüfung verpflichtet. Bei Banken und Finanzdienstleistern gibt die Bundesfinanzaufsicht (BaFin) vor, wie die Regularien anzuwenden sind. Aber: „Die Überprüfung ist von Branche zu Branche unterschiedlich und macht den KYC-Prozess so unglaublich komplex“, erklärt Tobias Weber. Ein weiterer Vorteil ist daher der modulare Aufbau von KYCnow. Die nach dem Geldwäschegesetz verpflichteten Branchen können individuell einzelne Bausteine oder das Gesamtpaket nutzen. Für die Immobilienwirtschaft wird bereits ein neues Feature pilotiert: Mit einer App kann direkt am Verkaufsort über ein mobiles Endgerät wie ein Tablet oder Smartphone die Risikoprüfung des Käufers durchgeführt werden.

 

Banken unterstützen, anstatt sie zu challengen

„Unser Geschäftsmodell basiert darauf, unsere Kunden zu unterstützen, ihr Business besser zu machen. Wir lassen den Finanzdienstleistern ihre Kunden, wir challengen sie nicht“, erklärt Tobias Eiss von fino. Dieses Modell ergänzt sich mit dem Ansatz der SCHUFA: „Wir wollen Unternehmen befähigen, rechtskonform zu agieren“, so Tobias Weber. fino ist von der BaFin lizenziert, ein zusätzlicher Pluspunkt für künftige Kunden und Partner. Die Erlaubnis berechtigt etwa dazu, Bezahlvorgänge direkt auszulösen und Kontoinformationsdienste bereitzustellen.

 

»Unsere intelligenten Apps und Tools befähigen Unternehmen, die gesetzlichen Anforderungen zeit- und kostensparend zu erfüllen.«

TOBIAS WEBER, SCHUFA HOLDING AG

 

Unzählige Male wurde die KYCnow-Lösung bereits vor Kunden präsentiert. Tobias Weber und Tobias Eiss überraschen ihre Ansprechpartner jedes Mal: „So etwas hätten wir der SCHUFA gar nicht zugetraut“, bekommen sie zu hören. Das Feedback ist eindeutig: Die Kunden sind begeistert von der Möglichkeit, Aufwand und Kosten des KYC-Prozesses zu minimieren und den Schwerpunkt der eigenen Arbeit wieder auf die Gewinnmaximierung legen zu können. Die Geschwindigkeit, mit der fino auf die Anforderungen des Marktes reagiert, und die Qualität der Daten, die von der SCHUFA zur Verfügung gestellt werden, überzeugen.

 

Wenn zwei sich zusammentun, kann Großes entstehen

Die SCHUFA und fino hatten von Anfang an ein gemeinsames Verständnis, wie sich innovative KYC-Lösungen umsetzen lassen. Zur DNA beider Unternehmen zählt, sich mit anderen auszutauschen, um Ideen gemeinsam voranzutreiben und für Kunden und Geschäftspartner bestmögliche Lösungen zu entwickeln. fino als etabliertes Fin-Tech bringt neben der ausgeprägten Entwicklungskompetenz und Vernetzung in der Finanzwelt die Möglichkeit ein, einen BaFin-regulierten Betrieb über die fino run GmbH abzubilden, die SCHUFA verfügt über eine im B2B-Bereich einmalige Datenbank. Der Gedanke lag nahe, daraus gemeinsam mehr zu machen. Tobias Weber berichtet: „Ein Highlight war sicherlich, als wir uns gemeinsam mit fino an einem Wochenende auf einem Bauernhof für ein Offsite getroffen haben. Wir konnten unser Know-how zusammenbringen und das Projekt vorantreiben.“ Tobias Eiss ergänzt: „Die Hands-on-Mentalität hat uns überzeugt, das Thema mit der SCHUFA gemeinsam voranzutreiben. So etwas findet man selten bei großen Unternehmen.“ Über die bestehende Lösung hinaus wollen SCHUFA und fino mit ClariLab weitere Leistungen für ein technologisch ausgereiftes und effizientes regulatorisches Management entwickeln.

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