Ein Gipfel zum Geburtstag

2013 startete die SCHUFA die Bildungsinitiative Wirtschafts-Werkstatt. Das Ziel: die Finanzkompetenz junger Menschen zu stärken. Mehr als fünf Millionen Jugendliche hat die Initiative bislang erreicht – ein großer Erfolg, der mit einem Jugendgipfel gefeiert wurde.

____________________

FOTOGRAFIE_Franziska Krug

In der historischen Kalkscheune in Berlin-Mitte herrscht kreatives Treiben. Dana von der Gesamtschule Bellevue aus Saarbrücken steht neben Isabell vom Luisenburg-Gymnasium aus Wunsiedel. Mit den anderen Teilnehmern des Beatbox-Workshops rappen die 16-jährigen Schülerinnen: „Darlehen, Dispo, Dauerauftrag“. Zwei Räume weiter erklärt die Nachwuchsregisseurin und Gewinnerin des WirtschaftsWerkstatt-Kurzfilmwettbewerbs Jade Li, wie man Begriffe aus der Finanzwelt in einem Erklärvideo darstellen kann. Im Erdgeschoss wird gebastelt: An einem Tisch entstehen aus alten Verpackungsmaterialien Geldbeutel, an einem anderen Modelle für bezahlbares Wohnen in der Zukunft.

Rund 150 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland nehmen an dem Jugendgipfel teil, zu dem die WirtschaftsWerkstatt anlässlich ihres dreijährigen Bestehens eingeladen hatte. 2013 gründete die SCHUFA die Initiative mit dem Ziel, das Finanzwissen junger Menschen zu stärken und Präventionsarbeit für den richtigen Umgang mit Geld und Verträgen zu leisten. Mehr als fünf Millionen junge Erwachsene hat die WirtschaftsWerkstatt bisher erreicht – vor allem dort, wo diese sich bevorzugt aufhalten und austauschen: im Internet und auf Social-Media-Kanälen wie Instagram, Facebook und YouTube.

 

So macht Lernen Spaß

Herzstück der Bildungsinitiative ist die Lernplattform www.wirtschaftswerkstatt.de , deren Inhalte sich an der Lebenswelt junger Menschen orientieren. Neben hilf-reichen Anleitungen und praktischem Wissen rund ums Thema Geld werden auch zahlreiche Aktionen und Wettbewerbe veranstaltet. Zwei der Schulklassen, die an dem Test „Finanzhelden“ erfolgreich teilgenommen haben, werden auf dem Jugendgipfel mit je 500 Euro ausgezeichnet. „Unsere 11. Klasse hat beim Finanzcheck gewonnen“, erzählt Markus Wagner, Pädagoge am Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel. „Die Schüler haben sich riesig gefreut und wollen sich von dem Preisgeld neue Möbel für ihren Aufenthaltsraum kaufen.“

Der Lehrer für Wirtschaft und Recht nutzt für seinen Unterricht regelmäßig Anregungen der Lernplattform. Darüber hinaus setzt er das Material von „SCHUFA macht Schule“ ein. „SCHUFA macht Schule“ ist ein weiterer Baustein der Bildungsinitiative und unterstützt Lehrkräfte mit Unterrichtsmaterial bei der Ver-mittlung von Finanzwissen. „Ich kann die vollständig ausgearbeiteten Lernmaterialien direkt anwenden oder Teile davon in meinen Unterricht einbauen. Das ist ein großer Zugewinn und eine große Zeitersparnis“, sagt der Pädagoge aus dem Fichtelgebirge.

Mehr zur WirtschaftsWerkstatt
 

Die Daten stammen aus einer Umfrage, die das Forschungsinstitut forsa mit der WirtschaftsWerkstatt unter 500 Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren gemacht hat. Dabei ging es um das Finanzverhalten der jungen Leute und ihr Wissen über Geldangelegenheiten. Mehr zur Studie und zu Finanzthemen gibt es im WirtschaftsWerkstatt-Ratgeber, der im Januar 2017 erstmals erschienen ist. Die Publikation bietet Orientierung rund um Fragen zu Finanzen und enthält neben einem Selbsttest auch ein Haushaltsbuch.

Das große Plus ist die Lebensnähe

Henning Müller, der seit neun Jahren am Kaufmännischen Berufskolleg Oberberg unterrichtet, verwendet die Materialien ebenfalls. „Der Stoff kommt bei Schülern gut an, da er eng an ihre Lebenswelt gekoppelt ist. Wir haben uns etwa mit Fragen wie Autofinanzierung oder Mietnebenkosten auseinandergesetzt.“ Zwar hätten seine Schüler grundsätzlich Interesse an Wirtschaft, aber dennoch seien ihre Finanzkenntnisse zu Beginn ihrer dreijährigen Schulzeit meist sehr gering, erzählt der Pädagoge, der Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen und Controlling lehrt.

Das Beste kommt zum Schluss des Jugendgipfels: die Präsentation aller kreativen Ideen aus den Workshops. Als erster tänzelt Ragul unter großem Applaus über die Bühne. Der 17-Jährige trägt ein „Trendy Trash“-Outfit, das seine Gruppe aus Wegwerfartikeln entworfen hat. Beim Song der Beatbox-Gruppe verlangt das Publikum sogar eine Zugabe. „Dieser Rahmen ist einfach gelungen und ist eine große Wertschätzung für unsere Schüler“, freut sich Markus Wagner. „Sie haben heute sehr viel gelernt. Und vor allem waren einmal ganz andere Fähigkeiten gefordert als die, die sonst in der Schule verlangt werden.“