Brückenbauer

Als einzige Auskunftei in Deutschland hat die SCHUFA die Position eines Ombudsmannes eingerichtet. Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier reflektiert im Gespräch mit dem SCHUFA-Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Freytag über seine Aufgaben und das hohe Gut „Vertrauen“ im Wirtschaftsleben.

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FOTOGRAFIE_ Matthias Haslauer

_ Herr Prof. Dr. Papier, als Ombudsmann der SCHUFA haben Sie die Aufgabe, Streitigkeiten zwischen Verbrauchern, der SCHUFA und deren Vertragspartnern zu schlichten. Wie gehen Sie vor?

PROF. HANS-JÜRGEN PAPIER_ Wenn das Anliegen eines Verbrauchers beim ServiceCenter der SCHUFA trotz sorgfältiger Bearbeitung nicht geklärt werden konnte, hat er die Möglichkeit, sich an mich beziehungsweise die Schlichtungsstelle zu wenden. Oft geht es dabei um die vorzeitige Löschung negativer Einträge, manchmal auch um irrtümliche Meldungen, fehlende oder nicht fristgerecht gelöschte Merkmale.

_ Was passiert, wenn ein Anliegen berechtigt ist?

PROF. DR. PAPIER_ Dann sorge ich mit meinem Schlichtungsspruch dafür, dass die Angelegenheit umgehend richtig gestellt wird. Zum Beispiel kann ich die Überprüfung einer beanstandeten Meldung bei dem betreffenden Vertragspartner der SCHUFA veranlassen und gegebenenfalls die Korrektur eines Datensatzes in die Wege leiten.

_ Und was geschieht bei unberechtigten Beschwerden?

PROF. DR. PAPIER_ Ich erläutere dem Verbraucher den Sachverhalt möglichst verständlich und nachvollziehbar. Sollte er mit meiner Entscheidung nicht einverstanden sein, hat er weiterhin die Möglichkeit, vor Gericht zu ziehen.

_ Wie unabhängig sind Sie von der SCHUFA?

PROF. DR. PAPIER_ Die SCHUFA hat meine Rolle explizit als unabhängig definiert, ich unterliege keinerlei Weisungen, so sieht es auch die Verfahrensordnung des Ombudsmannes vor. Die SCHUFA beeinflusst demnach meine Einschätzungen und Bewertungen in keiner Weise. Die zentrale Rechtsgrundlage des Ombudsmannes ist das Bundesdatenschutzgesetz. Dessen Regularien sind sehr detailliert definiert, und nach ihnen richte ich mich.

_ Herr Dr. Freytag, die Zahl der Beschwerden und Eingaben von Verbrauchern bei der Schlichtungsstelle ist im Jahr 2015 gestiegen. Wie bewerten Sie das?

DR. MICHAEL FREYTAG_ Die Zahl spiegelt das gestiegene Verbraucherbewusstsein wider, und das empfinde ich als sehr positiv. Von den 329 zulässigen Anfragen an den Ombudsmann erwiesen sich nur 39 als berechtigt. Angesichts von 130 Millionen Kreditanfragen im Jahr stufe ich diese Anzahl als gering ein. Sie verdeutlicht, dass die SCHUFA einen verantwortungsvollen Umgang mit den persönlichen Verbraucherinformationen pflegt.

PROF. DR. HANS-JÜRGEN PAPIER
 

Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier, Jahrgang 1943, war von 1998 bis 2010 Richter des Bundesverfassungsgerichtes und ab 2002 dessen Präsident. Er lehrte öffentliches Recht, insbesondere Staatsrecht, an den Universitäten Bielefeld und München; seit 2011 ist er emeritiert. Prof. Dr. Papier ist Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz), des Bayerischen Verdienstordens und zweier Ehrendoktorwürden. 2014 übernahm er als Nachfolger von Prof. Dr. Winfried Hassemer das Amt des Ombudsmannes der SCHUFA.

Weitere Informationen, Tätigkeitsberichte und Kontaktmöglichkeiten:
www.schufa-ombudsmann.de

_ Wie sehen Sie das, Herr Prof. Dr. Papier?

PROF. DR. PAPIER_ Einzelne Fehler passieren, das lässt sich nie ganz vermeiden. Wichtig ist aber, dass sie nicht Ausdruck grundlegender Mängel der internen Abläufe der SCHUFA sind. Und darauf habe ich in meinen anderthalb Jahren als Ombudsmann keinerlei Hinweise entdecken können. Ich erlebe die SCHUFA als ein ordentlich bestelltes Haus, das mit den ihm anvertrauten Daten sorgsam umgeht. Weitaus sorgsamer als manche Unternehmen der Digitalwirtschaft, die nicht nur mehr Daten als die SCHUFA erheben, sondern diese auch viel umfassender und intransparenter auswerten.

_ Warum hat die SCHUFA eigentlich einen Ombudsmann, Herr Dr. Freytag?

DR. FREYTAG_ Darin drückt sich unser Respekt gegenüber den Verbrauchern aus, die eine Möglichkeit bekommen, sich außerhalb gerichtlicher Instanzen an eine objektive, neutrale und unabhängige Instanz zu wenden. Wir bauen damit eine Brücke für eine einvernehmliche Lösung. Zugleich ist es ein Statement: Wir lassen uns von einer anerkannten Persönlichkeit mit hohem juristischem Sachverstand in die Karten schauen, weil wir Vertrauen in unsere eigenen Abläufe haben, gerade weil wir sie permanent reflektieren. Letztlich führt das zu einer immer besseren Qualität unseres Datenbestandes.

_ Was tut die SCHUFA noch, um Vertrauen zu schaffen?

DR. FREYTAG_ Der Ombudsmann ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Vorgehens und Ausdruck unserer Haltung. Der kritischen Reflektion dient auch unser Verbraucherbeirat, dem Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft angehören. Dieses Gremium erhält einen intensiven Einblick in unsere Dienstleistung. Im Gegenzug erhalten wir ein fundiertes und unabhängiges Feedback.

_ Verbraucher fragen sich mitunter, wozu man Auskunfteien wie die SCHUFA eigentlich braucht.

PROF. DR. PAPIER_ Ohne die SCHUFA oder das Auskunfteienwesen generell wären die allermeisten Geschäfte, die auf Kredit basieren, nicht ohne ein sehr hohes Risiko durchführbar. Für ein florierendes Wirtschaftsleben sind Auskunfteien unerlässlich.

DR. FREYTAG_ Genau, denn das funktionierende Kreditsystem ist ein wichtiger Eckpfeiler für den privaten Konsum, der mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland ausmacht. 97,6 Prozent aller Konsumentenkredite werden reibungslos zurückgezahlt. Das beweist: Die Verbraucher können mit ihrem Geld umgehen, und die Prognosen der SCHUFA stimmen. Davon profitieren letztlich alle: Hersteller, Händler, Banken und insbesondere auch der Staat, der in der Regel 19 Prozent Mehrwertsteuer auf die finanzierten Güter vereinnahmt.

BUCHHEIM MUSEUM
 

Stattgefunden hat die Begegnung von Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier und Dr. Michael Freytag im Buchheim Museum in Bernried. Benannt ist das Museum nach seinem Gründer, dem Maler, Fotograf, Verleger, Autor und Sammler Lothar-Günther Buchheim (†2007). Das 1999 erbaute Museum ist einem Schiff nachempfunden; ein Steg führt hinaus auf den Starnberger See. Bekannt ist es für seine Expressionisten-Sammlung mit Werken von Erich Heckel, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und anderen.

»Ich erlebe die SCHUFA als ein ordentlich bestelltes Haus, das mit den ihm anvertrauten Daten sorgsam umgeht. Weitaus sorgsamer als manche Unternehmen der Digitalwirtschaft.«

PROF. DR. HANS-JÜRGEN PAPIER, SCHUFA-Ombudsmann

_ Das heißt, die SCHUFA hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung?

DR. FREYTAG_ Täglich bearbeiten wir rund 350.000 Kreditanfragen. Unsere Auskünfte sind eine wesentliche Grundlage zum Aufbau von Vertrauen zwischen zwei Geschäftspartnern und gewährleisten einen reibungslosen Vertragsabschluss. Somit kommt der SCHUFA eine wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher zu.

_ Was tut die SCHUFA abseits ihres Kerngeschäfts, um Verantwortung zu übernehmen?

DR. FREYTAG_ Wir engagieren uns sozial, kulturell und insbesondere für junge Menschen. Besonders akzeptiert wird seit Jahren unser mehrfach prämiertes Programm „SCHUFA macht Schule“, mit dem wir Lehrern Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen, um mit Schülern den verantwortlichen Umgang mit Geld und Konsum einzuüben. Mittlerweile haben wir 14.000 Informationspakete versandt.

_ Können Sie uns noch ein Beispiel nennen?

DR. FREYTAG_ Wir haben mit unserer Bildungsinitiative „WirtschaftsWerkstatt“ bereits über 4,3 Millionen Jugendliche über verschiedene Kanäle im Internet erreicht, und 450.000 Jugendliche haben unser Online-Portal besucht, um dort interaktiv ihre Finanzkompetenz zu stärken. Im vergangenen Jahr wurde die Initiative mit dem renommierten Comenius EduMedia Siegel gewürdigt. Wir engagieren uns auf vielfältige Weise, um Verantwortung und Vertrauen zu stiften.

_ Vielen Dank für das anregende Gespräch!

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