Unterwegs für den Datenschutz

Die Einführung der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) ist aktuell das bestimmende Thema der Branche. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wissen SCHUFA-Chefsyndikus Dr. Wulf Kamlah, seine Kollegin Serena Holm und seine Kollegen Torsten Korn und Dr. Felix Lowinski. Das Quartett ist bundesweit unterwegs – im Gepäck die wichtigsten Informationen für Kunden und Partner.

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FOTOGRAFIE_ Anna Thut

DATUM_ 05. Juni 2018

Berlin ist und bleibt ein bedeutender Ort für die SCHUFA. Vor mehr als 90 Jahren wurde sie hier gegründet. Heute haben in der Hauptstadt neben einer Geschäftsstelle der SCHUFA zahlreiche Kunden aus verschiedenen Branchen ihren Sitz. An diesem Januar morgen sind etwa 100 von ihnen in den Stadtteil Alt-Moabit gekommen, um über ein eben­falls bedeutendes Thema zu sprechen. In einem Tagungshotel am Ufer des Spree­bogens begrüßt die SCHUFA ihre Kunden zu einem Informationstermin anlässlich der neuen DS-GVO der Europäischen Union.

Der Termin ist Teil eines deutschlandweiten Roadshow-Konzepts. Vier Experten, die alle Schnittstellen zur DS-GVO abdecken, versorgen die SCHUFA-Kunden vor Ort mit Infor­mationen und stellen sich deren Fragen. „Wir wollen informieren, Diskussionen anregen und auch ein Bewusstsein für die Verordnung schaffen. Immerhin ist es eine historische Neuerung, eine gesamteuropäische Datenschutzrichtlinie umzusetzen“, erklärt Dr. Wulf Kamlah, der als Chefsyndikus Teil des Teams ist. Von Banken über eCommerce-Anbieter bis hin zu Immobilienunternehmen – Kunden aus allen Branchen sind von der DS-GVO betroffen und stellen die Frage: Wie verändern die Neuregelungen für SCHUFA-Produkte unsere Geschäftsprozesse? Da SCHUFA-Kunden überall in der Bundesrepublik sitzen und viele regionale Anbieter darunter sind, überlegte sich die Arbeitsgruppe zur DS-GVO, eine Roadshow zu starten. Sechs Städte wurden dazu ausgewählt. Nach Veranstaltungen in Köln, Frankfurt, Stuttgart und Hannover hieß die fünfte Station: Berlin.

Zeitgenössische Malerei: Dr. Alexander Klar und Dr. Michael Freytag zwischen zwei Werken von Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 –1962). Links die „Komposition 133“ von 1942 und rechts die „Komposition 151“ von 1945/46.

Das Roadshow-Team am Spreebogen in Berlin (von links):
Dr. Wulf Kamlah, Dr. Felix Lowinski, Serena Holm und Torsten Korn.

09:00 Uhr Als Erster ist Datenschutzbeauftragter Torsten Korn im Saal. Er legt seine Tasche auf den Tisch oben auf der Bühne, blickt prüfend durch die schwarzgerahmte Brille – und nickt zufrieden. Wie immer hat das Veranstaltungsteam der SCHUFA den Raum bestens vorbereitet. Die Technik steht, auf allen Plätzen liegen die Schreibutensilien bereit. Daneben auch ein kleines Päckchen Traubenzucker als Konzentrationshilfe. „Keine schlechte Idee, denn die Verordnung ist eine komplexe Sache“, schmunzelt Korn. Kurz darauf folgen Dr. Wulf Kamlah sowie Serena Holm, Bereichsleiterin Corporate Affairs, und Dr. Felix Lowinski, Bereichsleiter Vertrieb Unternehmenskunden. Alle vier wirken entspannt und bestens vorbereitet. Kein Wunder – schließlich beschäftigen sie sich schon lange mit den Neuerungen, die auf die SCHUFA und ihre Partner zukommen. „Vor mehr als fünf Jahren gab es die ersten Gespräche in Brüssel. Seitdem stehen wir im Austausch mit Partnern, Kunden und der Politik. Im Laufe der Zeit hat sich die heutige Verordnung herauskristallisiert“, erklärt Serena Holm, die in Berlin die Moderation übernimmt und die interne Projektleitung für die Arbeitsgruppe zur DS-GVO innehat. Dann ein Blick auf die Uhr: Die ersten Kunden kommen gleich.

10:00 Uhr Der Saal ist voll, als Dr. Felix Lowinski die 100 Gäste begrüßt und mit Freude feststellt: „Sie als unsere Vertragspartner über Branchen- und Wettbewerbsgrenzen hinweg zum Wohle aller zu versammeln, macht das Wesen der SCHUFA aus. Dass heute der Raum vollständig gefüllt ist, zeigt: Das Thema steht weit oben auf Ihrer Agenda.“ Als Vertriebsexperte stellt er klar: „Die Geschäftsprozesse und Produkte der SCHUFA bleiben ganz wesentlich in ihrer bewähr­ten Ausgestaltung erhalten. Dennoch ergibt sich einige Detailarbeit. Daher wollen wir heute vor allem Ihre Fragen beantworten.“

Zeitgenössische Malerei: Dr. Alexander Klar und Dr. Michael Freytag zwischen zwei Werken von Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 –1962). Links die „Komposition 133“ von 1942 und rechts die „Komposition 151“ von 1945/46.

Erklärungsbedarf

Chefsyndikus Dr. Wulf Kamlah hat sich in den vergangenen Monaten durch die DS-GVO-Fachliteratur gearbeitet. Auf den Terminen wie hier in Berlin ist seine Botschaft: Das Auskunfteien-Geschäft der SCHUFA besteht weiterhin. Dennoch wird es einige Änderungen geben, deren Auswirkungen sich erst zeigen werden. Er erwartet auch einen erhöhten Klärungsbedarf in Rechtsfragen.

Damit alle auf einem Stand sind, bringt Wulf Kamlah im Anschluss alle Anwesenden nochmals die aus SCHUFA-Sicht entscheidenden Änderungen nahe: Für die Kunden ist vor allem der Umstieg von einem Einwilligungskonzept auf ein Hinweiskonzept bedeutend. „Die SCHUFA-Klausel, wie wir sie alle kennen, wird es nicht mehr geben“, erklärt Kamlah. Stattdessen ersetzt sie ein mehrstufiger Ansatz. Das heißt ein Hinweis in den Vertragsunterlagen sowie ein gesondertes Informationsblatt, das die SCHUFA-Tätigkeiten genau aufführt. In diesem Moment schnellt schon die erste Hand in die Luft. Eine Vertriebsexpertin aus der Immobilienbranche möchte wissen: „Wann genau binde ich die Hinweise in den Vertriebsprozess ein?“ Eine Frage, die Kunden bei allen Terminen umtreibt. Dr. Kamlah antwortet: „So früh wie möglich. Dennoch haben Sie keine Verpflichtung der tatsächlichen Kenntnisnahme, sondern müssen nur ermöglichen, dass Ihr Kunde es zur Kenntnis nehmen kann.“ Wie das im Detail aussehen kann? Eine berechtigte Frage – und am besten zu beantworten von den Kundenbetreuern. Bis zu zehn Ansprech­partner sind bei den Terminen dabei, um spezielle Anliegen mit den Kunden zu erörtern.

Die DS-GVO: Hintergrund
 

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung regelt ab dem 25. Mai 2018 das Datenschutzrecht innerhalb der Europäischen Union unmittelbar. Damit bestimmt erstmals eine einheitliche ­Verordnung den Umgang mit personenbezogenen Daten in allen 28 Mitgliedsstaaten – ein historischer Schritt. Die DS-GVO hat damit die bisherige Datenschutzrichtlinie 95 / 46 / EG sowie das bisherige BDSG in ihrer Funktion abgelöst. Betroffen davon sind alle Unternehmen, deren Angebot sich an EU-­Bürger ­richtet. Das heißt: auch Unternehmen mit einem Sitz ­außerhalb der EU.

11:15 Uhr In der folgenden Pause kommen die Kunden auch untereinander ins Gespräch. So können sich etwa Vertreter aus der Energiewirtschaft mit Kollegen aus einer Genossenschaftsbank austauschen. „In Köln war sogar ein Mitarbeiter unserer Konkurrenz unter den Gästen. Es gibt kein größeres Kompliment für unsere anerkannte Expertise in Datenschutzfragen“, sagt Vertriebsexperte Dr. Lowinski lächelnd.

11:30 Uhr Zurück aus der Pause moderiert Serena Holm den Dialog mit den Teilnehmern an: „Wir lernen hier auch von Ihnen, da Sie Ihre Geschäftsprozesse am besten kennen.“ Die Fragen drehen sich um die Platzierung der Hinweise in Online-Shops, im Verkaufsgespräch oder bei der Kreditvergabe. Dabei kommt heraus, dass für digitale Angebote weniger Aufwand entsteht. In den anderen Fällen gibt Dr. Lowinski wert­volle Tipps – wenngleich er für Detailfragen in der Umsetzung auf das laufende Service-­Angebot, bestehend aus Newsletter, dem Infopostfach und natürlich der persönlichen Betreuung, ver­weist. Zum Ende bittet Serena Holm die Gäste um Initiative: „Wir wollen mit Ihnen auch Rechtsentwicklung betreiben, wenn sich bestimmte Fragestellungen zum Beispiel vor Gericht häufen. Denn die Auslegung einiger Änderungen wird sich erst im Laufe der Zeit manifestieren. Diese Übung macht jedes Land in Europa durch. Irgendwann wollen wir zu einer einheitlichen Lösung in ganz Europa kommen.“

Zeitgenössische Malerei: Dr. Alexander Klar und Dr. Michael Freytag zwischen zwei Werken von Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899 –1962). Links die „Komposition 133“ von 1942 und rechts die „Komposition 151“ von 1945/46.

Arne Strehlau (rechts) ist Datenschutzkoordinator bei Vattenfall ­Europe Sales. Er verantwortet das Thema für mehrere Vertriebskanäle. Für ihn war die Roadshow ein Pflichttermin.

»Als Energieversorger müssen wir alle Vertriebskanäle mit- bedenken. Jetzt ist klarer, wo wir was beachten müssen.«

ARNE STREHLAU, DATENSCHUTZKOORDINATOR VATTENFALL EUROPE SALES

 

13:00 Uhr Beim gemeinsamen Lunch resümiert Arne Strehlau, Datenschutzkoordinator bei Vattenfall Europe Sales: „Als Energieversorger müssen wir alle Vertriebskanäle mitdenken. Jetzt ist klarer, wo wir was beachten müssen. Außerdem helfen die Vorlagen der SCHUFA. In den nächsten Monaten wird das Thema Scoring für mich noch interessant.“

15:00 Uhr Die vier Expertinnen und Experten sind zufrieden. „Das Interesse bestätigt, dass wir mit dem Angebot richtig­liegen“, bringt es Torsten Korn auf den Punkt. Mehr als 500 Anmeldungen gab es für alle sechs Termine. Gegen Nachmittag geht es für die vier und das gesamte Roadshow-Team wieder vom Spreebogen zurück in die Zentrale nach Wiesbaden, bevor am 6. Februar die letzte Station ansteht: München. Dann wird die Info-Tour nach rund 3.500 Kilometern abgeschlossen sein. Das Thema DS-GVO wird alle Beteiligten allerdings noch länger begleiten.

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