Richtungsweiser

Was muss die Finanzdienstleistung der Zukunft können? Wie bezahlen wir im Jahr 2030? Fünf Fragen an Marc Berg, Geschäftsführer der Finnovato GmbH, die aussichtsreiche Unternehmen im Bereich digitaler Finanzdienstleistungen entwickelt.

_ Herr Berg, wie haben Sie Ihren letzten Einkauf bezahlt?

MARC BERG_ Ich habe Pommes Frites gekauft und mit Bargeld bezahlt. Leider konnte man nicht mit dem Handy zahlen.

_ Alle Welt spricht von Mobile Payment – im deutschen Alltag ist das aber eher ein Randphänomen. Schaffen Finanzdienstleister hier künstlich eine Nachfrage?

BERG_ Mobile Payment wird innerhalb weniger Jahre zu einem Standard-Bezahlverfahren werden. Der Bedarf ist definitiv da. Das zeigen diverse Studien, darunter eine repräsentative Umfrage, die TNS Infratest kürzlich mit Yapital, dem Cross-Channel-Payment der Otto Group, durchgeführt hat. Danach ärgern sich deutsche Verbraucher über vieles, was mit herkömmlichen Bezahlmethoden zwangsläufig verbunden ist. Sie stören sich daran, an der Kasse nach Kleingeld zu suchen oder den Umweg zur Bank machen zu müssen, um liquide zu sein. Sie wollen keine langen Kreditkartennummern im Webshop eingeben müssen, um bezahlen zu können. Eine neue Bezahllösung ist dann für den Nutzer attraktiv, wenn sie genau diese Probleme löst, außerdem auf allen Vertriebskanälen zum Einkaufen eingesetzt werden kann und bestenfalls weitere Mehrwerte bietet. Das kann die sekundengenaue Ausgabenübersicht als Teil der Bezahl-App sein. Das kann aber auch die Möglichkeit sein, Geld kostenfrei und in Echtzeit an andere Nutzer zu senden. Übrigens: Der deutsche Smartphonebesitzer schaut rund 150-mal am Tag auf sein Device. Er kommuniziert damit, surft im Internet, speichert Videos und Fotos, führt seinen Kalender, lässt sich navigieren oder hört Musik. Das Smartphone ist ständiger Begleiter. Warum nicht auch damit bezahlen? Dieser Evolutionsschritt ist nur logisch.

 

 

»Ein innovatives Payment muss übergreifend, also auf vielen Vertriebskanälen, funktionieren. Allein das bietet enormen Mehrwert für Verbraucher, aber eben auch für moderne Händler.«

MARC BERG, Geschäftsführer Finnovato

Marc Berg
 

ist als Geschäftsführer der Finnovato GmbH, eine Tochtergesellschaft der Otto Group, seit dem Jahr 2012 für die Entwicklung digitaler Finanzinnovationen verantwortlich. Zudem ist er seit März 2015 Chief Executive Officer von Yapital, dem Cross-Channel-Payment der Otto Group. Der Wirtschaftswissenschaftler begleitet die digitale Weiterentwicklung im Handel seit mehr als zehn Jahren.

_ Was sind die großen Herausforderungen, was muss eine erfolgreiche Finanzdienstleistung können?

BERG_ Im Bereich Payment gilt es, Bedürfnissen von Händlern und Konsumenten gerecht zu werden. Ein innovatives Payment muss übergreifend, also auf vielen Vertriebskanälen, funktionieren. Allein das bietet enormen Mehrwert für Verbraucher, aber eben auch für moderne Händler. Es ist doch längst Tatsache, dass die Grenzen zwischen Offline- und Onlinehandel fließend sind. Kunden informieren sich online und kaufen dann doch beim Stationärhändler ein – oder andersherum. Und der Handel reagiert darauf: Der klassische Stationärhandel bietet zusätzlich den Einkauf in seinem Internetshop. Der Multi-Channel-Handel ist Standard und ein Payment-Anbieter sollte entsprechende Lösungen haben.

_ Welche Rolle spielen Händler bei der Einführung von neuen Bezahlsystemen?

BERG_ Eine entscheidende Rolle. Ein neues Bezahlsystem kann nur erfolgreich sein, wenn der Nutzer es branchen- und kanalübergreifend einsetzen kann. Für den Verbraucher ist dies ein maßgeblicher Faktor, um sich für das mobile Bezahlen zu entscheiden. Das zeigen auch unsere Umfrageergebnisse. Allerdings löst der Handel nur eine Seite des Henne-Ei-Problems. Der wechselseitige Aufbau von Handels- und Endkundenreichweite ist die größte Herausforderung bei der Einführung von neuen Bezahlsystemen.

_ Was meinen Sie: Auf welchen Wegen werden die Menschen im Jahr 2030 bezahlen?

BERG_ Ich bin sicher, dass das Sprichwort „Nur Bares ist Wahres“ ausgedient haben wird – wenn sich überhaupt noch jemand daran erinnert. 2030 wird sich der heute noch unübersichtliche Markt digitaler Bezahlverfahren konsolidiert haben. Konsumenten werden auf sichere, einfache, komfortable und schnelle Art und Weise bezahlen können – mobil und über alle Einkaufskanäle hinweg. Dabei ist die Technik zweitrangig. Entscheidend ist die Customer Experience. Im Moment sprechen wir über QR-Codes, NFC, Bluetooth Low Energy. Das mag in wenigen Jahren ganz anders aussehen. Verfahren wie biometrische Erkennung oder Sound Recognition, also das Übertragen eines akustischen, nicht hörbaren Signals zur Kommunikation zwischen Terminal und Device, werden schon getestet. Es gilt also in jedem Fall, offen für Neues zu bleiben.

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