Orte des Wandels

Die Veränderung durch moderne Technologien hat viele Gesichter. Besonders beeindruckend zeigt sich das an Orten, die uns vor einigen Jahren noch ganz analog faszinierten und heute auf neue Weise überraschen.

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FOTOGRAFIE_ RONCALLI, STÄDEL MUSEUM, REAL

DATUM_ 26. Juni 2020

Zirkus Roncalli, Köln

Foto: Roncalli

Tierfreie Manege

Ein ohrenbetäubendes Dröhnen, kunstvoll balancierende Elefanten und Pferde, die durch die Manege jagen. So kennen es Erwachsene und Kinder seit 40 Jahren vom Zirkus Roncalli. Und so ist es heute noch – mit einem entscheidenden Unterschied: Die Dickhäuter und alle anderen Tiere sind 3D-Hologramme. Elf spezielle Laserbeamer mit insgesamt mehr als 3.000 Prozessoren erzeugen fotorealistische Abbilder auf einem halbdurchsichtigen, speziell beschichteten Gazestoff. Vor etwa drei Jahren entschied sich der Zirkus für die konsequent tierfreundliche Variante, seit 2019 sind weltweit alle Roncalli-Manegen tierfrei. Hauptdarsteller aus Fleisch und Blut wie etwa die berühmten Clowns kann man weiterhin bestaunen. Auf die Frage, woher die Weiterentwicklung kommt, lautet die Antwort seitens Roncalli ganz klar: „Zirkus muss auch nach

Zeitreise. Das Städel Museum im 19. Jahrhundert

Foto: Städel Museum

Erweiterte Museumswelt

Einmal auf Zeitreise gehen – die Digitalisierung macht’s möglich. Das Frankfurter Städel hat eine App entwickelt, die seine Besucher ins 19. Jahrhundert versetzt und auf Entdeckungstour durchs Museum schickt, vor Ort oder von zu Hause aus. Mit der Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf findet man sich im Jahr 1878 wieder – dem Eröffnungsjahr des Städels. Alles scheint real: der Prachtbau aus Sandstein im Stil der Neorenaissance, der imposante Aufgang über die Doppeltreppe. Allein mit den Augen navigiert sich der Besucher durch die üppigen Räume und hört dabei sogar das Holz unter seinen virtuellen Füßen knarzen. Schnell fällt auf, wie dicht und symmetrisch Werkefrüher beieinanderhingen, so dass die Wände selbst zum Kunstwerk wurden. Und genau darum geht es: Es soll nicht das Heute kopiert, sondern eine vergangene Epoche wiedererlebbar gemacht werden. So sorgt die 3D-Rekonstruktion unter anderem dafür, dass mehr junge Leute ins Museum gehen.

Emmas Enkel, Stuttgart

Foto: Real

Automatisierter Supermarkt

Ein Tante-Emma-Laden – das hieß: um die Ecke gehen und auf kleinstem Raum alles besorgen, was man mal eben brauchte. Heute kauft man nicht mehr bei Tante Emma, sondern bei ihren digital gut aufgestellten Nachfahren. „Emmas Enkel“ heißt ein Konzept für Mini-Supermärkte, das Nostalgie und Technik verknüpft. Betreiber ist der Lebensmittelhändler Real, die Technik stammt vom Start-up Smark. Kunden können im ersten Laden dieser Art am Stuttgarter Rosenbergplatz rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr shoppen – vor Ort an Terminals oder von unterwegs per App. Der Einkauf wird automatisiert zusammengestellt, kann bargeldlos bezahlt und direkt mitgenommen oder später abgeholt werden. In Zeiten von Corona ein besonders hilfreiches Konzept, das aber so oder so am Puls der Zeit gedacht ist. Gerald Schönbucher, CEO von Real.digital, sagt dazu: „Mit Emmas Enkel reagieren wir gleich auf mehrere Trends im Einzelhandel. Die Menschen möchten frische, nachhaltige Lebensmittel von lokalen Lieferanten kaufen, und das zu jeder Zeit und in ihrer Nähe. Emmas Enkel bietet den Kunden genau das.“

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