Clever und smart

eCommerce, Nachhaltigkeit, Leihen und Tauschen: Handel und Konsum sind vielfältiger und unübersichtlicher denn je. Deshalb werden Sicherheit und Vertrauen für Anbieter und Verbraucher immer wichtiger.

Das Internet bietet vor allem auch kleinen Betrieben und Manufakturen die Chance, neue Kunden zu gewinnen.

Viele Menschen verbringen ihren Feierabend gerne auf dem heimischen Sofa. Nur lesen sie dort immer seltener einen Krimi oder schauen fern. Sie gehen lieber einkaufen. Digital im Internet, via Laptop oder Tablet-PC, und doch ganz real: ein Klick hier, und schon ist die hübsche Ledertasche – das Einzelstück eines schnuckeligen Ladens in Berlin-Mitte – erstanden. Ein Klick dort, und der fair gehandelte Gourmet-Kaffee einer edlen Rösterei aus Zürich landet im virtuellen Warenkorb.

Die Online-Warenströme fließen globaler und intensiver denn je, und Deutschland ist mittendrin. Wurden hierzulande im Jahr 2003 noch elf Milliarden Euro via E-Commerce umgesetzt, waren es zehn Jahre später bereits 33 Milliarden Euro. Das freut neben Online-Händlern auch die Paket- und Expressdienste, sie befördern immer mehr Sendungen. Am häufigsten bestellen Privatkunden Mode, Elektronik und Bücher.

Und selten kaufen Verbraucher irgendetwas. Sie überlassen es nicht dem Zufall, sondern ihrem individuellen Geschmack und intensiver Recherche, was im Einkaufswagen landet. Soziale Netzwerke, Foren und journalistische Publikationen im Netz machen es leicht, sich über Produkte, ihre Herstellung und die Firmen, die sie vertreiben, zu informieren. Die Netzgesellschaft stellt hohe Ansprüche an das Angebot. Der Vergleich von Produzenten und Produkten kostet zwar Zeit, aber die sind Verbraucher gerne bereit zu investieren, wenn sie danach das gute Gefühl haben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Tauschen und Verleihen, das ist voll im Trend. So erfreuen sich auch Bike-Sharing-Systeme immer größerer Beliebtheit – national und international.

TAUSCHEN UND NUTZEN

Nachhaltigkeit und Individualität stehen hoch im Kurs. Und diese Werte sind auch andernorts greifbar: bei Tausch- und Verschenkbörsen, aber auch bei Verleihportalen wie etwa dem Hamburger Start-up whyownit.com. Weitere Beispiele gefällig? Bei Europas größtem Mitfahrnetzwerk carpooling.com sind mehr als fünf Millionen Nutzer registriert, selbst Kleinstädte bieten Bike-Sharing-Systeme nach dem Vorbild der Deutschen Bahn an, und die größte Wohnungstausch-Community couchsurfing.org hat weltweit sechs Millionen Mitglieder.

„Dieser Trend ist hochinteressant“, so Frank Bartenschlager, Abteilungsleiter Privatkunden-Dialog bei der SCHUFA. „Wir beobachten und analysieren ihn genau, um das Wachstumspotenzial einzuschätzen.“ Bisher funktionierten die Tausch-Systeme über Bürgschaften und Kautionen, Missbrauchsfälle sind eher selten. „Sollte die Tausch-Ökonomie jedoch weiter wachsen, werden Identitäts- und Bonitätsbewertungen sicher sinnvoll“, sagt Bartenschlager. Schließlich wolle man wissen, mit wem man es zu tun hat, wenn man sein Auto, seine Wohnung oder die teure Bohrmaschine verleiht.

Weder Anbietern noch Nutzern der neuen Tauschen-und-Teilen-Bewegung geht es dabei um bloße Konsumverweigerung. Ihnen ist ein bewusstes Kaufen wichtig: Konsum nicht als Selbstzweck, sondern immer auch als Ausdruck persönlicher Vorlieben und Werte. Wegwerfgesellschaft und nachhaltiger Lebensstil, das passt für viele nicht zusammen. Aus dieser Einstellung wiederum entstehen neue „alternative“ Konsumwelten wie DaWanda.de , ein Online-Marktplatz für Unikate und Handgefertigtes, bei dem Käufer und Verkäufer in einen unmittelbaren Austausch treten und sich bisweilen detailliert über die Eigenschaften und die Entstehungsgeschichten von Produkten austauschen. Individualität, Kommunikation und Qualität werden damit integrale Bestandteile des Kaufprozesses.

Online-Warenströme fließen mehr denn je. Für Versandhändler bedeutet dies einen erhöhten logistischen Aufwand.

MIT SICHERHEIT

Aber nicht nur diese – egal, ob etwas im Internet gekauft, geteilt oder ausgeliehen wird, am Ende geht es immer auch um Sicherheit, Vertrauen und Schnelligkeit. „Die Erwartungen der Kunden sind in den vergangenen Jahren rapide gestiegen“, sagt Jochen Senger, Key Account Manager der SCHUFA für E-Commerce-Aktivitäten und Geschäftskunden. Im Netz bestellte Waren müssen in Windeseile auf der heimischen Türschwelle liegen. Verspätungen und Fehler werden selten verziehen, Wettbewerber sind nur einen Klick entfernt. Erfolgreiche Versandhändler haben deshalb in den vergangenen Jahren massiv investiert: in ihre IT, in Logistik und Vertrieb, aber auch in Buchhaltung und die Optimierung interner Prozesse.

Aus Sicht des Handels stellte sich dabei eine Frage immer drängender: Wer sind all jene neuen, zunächst einmal gesichtslosen Online-Besteller? Und werden sie wirklich bezahlen, wenn sie die Ware erhalten? „Um einen Betrug zu verhindern, ist eine aktive Zahlartensteuerung für Händler heute fast unerlässlich“, sagt Jochen Senger, erst recht bei Anbietern, die den Löwenanteil ihres Umsatzes im Internet machen. Sobald ein Kunde auf dem Weg zur Online-Kasse seine Daten eingibt, prüft das System seine Bonität/Identität. Ist die Identitäts- und Bonitätsbewertung plausibel und stimmig, kann zum Beispiel der vor allem in Deutschland äußerst beliebte „Kauf auf Rechnung“ angeboten werden, bei dem die Zahlung erst nach Erhalt der Ware erfolgt. „Vor allem Neukunden, die einen Händler ausprobieren möchten, schätzen diese Zahlart“, weiß Jochen Senger. Die Identitäts- und Bonitätsprüfung wiederum schafft für den Händler umgehend die Gewissheit, einen realen, solventen Kunden vor sich zu haben. Anbieter und Nachfrager testen sich gewissermaßen gegenseitig – und profitieren davon.

»Sich schnell verändernde Märkte erfordern heute mehr denn je einen technischen Vorsprung und fundierte Marktkenntnisse, um die Produkte anzubieten, die der Kunde fordert. Die SCHUFA ist als führende Auskunftei Deutschlands Vorreiter in ihrer Branche. Ich stehe im SCHUFA-Vorstand für eine leistungsstarke und zukunftsgerichtete IT, auf deren Basis wir unsere hervorragende Datenqualität sichern und optimieren sowie unseren Geschäftspartnern marktgerechte innovative Produkte und an den Kundenanforderungen ausgerichtete Lösungen zeitnah anbieten können.«

PETER VILLA, SCHUFA-Vorstandsmitglied

Mobile Zahlungsarten sind im Aufwind, denn sie erleichtern schnelle, spontane Einkäufe. Immer häufiger kommt dabei das Smartphone zum Einsatz.

IMMER MOBILER

Ein Ende dieses Wettlaufs um Vertrauen, Sicherheit und Tempo ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Je mobiler das Internet wird, umso mobiler wird auch der Konsum. Die Unterscheidung zwischen elektronischem und mobilem Handel verschwindet. Wer einkauft, tut das immer häufiger mit dem Smartphone – mal, um mittels Barcode-Scan Preise zu vergleichen, mal, um vor Ort direkt zu bezahlen. Schätzungsweise 190 Millionen Menschen weltweit nutzen mobile Zahlungsarten im stationären Handel. Ihre Zahl könnte bis 2017 um das Achtfache steigen, vermuten Experten.

AUF DER SICHEREN SEITE
 

Um Konsumenten und die kreditgebende Wirtschaft in Zeiten von E- und M-Commerce noch besser zu schützen, ruft die SCHUFA zusammen mit Banken den so genannten „SCHUFA-FraudPool“ ins Leben. Im Mittelpunkt des Netzwerks steht eine Datenbank, die Meldungen der Banken über zweifelhafte und strafbare Vorgänge von Personen oder Firmen enthält. Die Kreditinstitute nutzen die Datenbank, um sich wechselseitig über Betrugsrisiken und -versuche zu informieren und schwarze Schafe rasch zu erkennen – wenn möglich, bevor es zum Betrug kommt. Die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe GmbH (BDK) war an der Konzeption des Netzwerks beteiligt und hat die Absicht, ihm beizutreten. „Auch in der Betrugsverhinderung ist die SCHUFA für uns ein idealer Partner“, sagt Andreas Freund, Leiter des BDK-Bereichs Betrugsprävention. „Ihre Expertise und Erfahrung garantiert eine gewissenhafte und vertrauensvolle Umsetzung. Außerdem existieren sinnvolle und einfach zu handhabende EDV-Schnittstellen. Das überzeugt uns.“

Im Alltag zählt blitzschnelles Lokalisieren, Identifizieren und Authentifizieren. Das Smartphone schickt sich an, die Kreditkarte zu ersetzen, indem es im Supermarkt den Einkauf bezahlt. Die so genannte „Nahfeldkommunikation“ – der Datenaustausch per Funk oder WLAN zwischen Smartphone und Kasse – macht es möglich. Ein anderes Beispiel sind Car-Sharing-Anbieter, bei denen der Zugang zum Auto via Smartphone erfolgt, sobald die Identität des Entleihers und Fahrers bestätigt wurde. Das belgische Unternehmen Cardrops wiederum erprobt die Lieferung von Päckchen direkt in den Kofferraum des eigenen Autos. Dazu installiert die Firma einen elektronischen Bausatz im Fahrzeug, der via GPS den Standort sowie die Schlüsseldaten zum Öffnen des Kofferraums sendet. Kommuniziert wird per App und per SMS. Die Potenziale sind groß. Mobile Commerce wird sich einen wichtigen Platz in der Konsumwelt erobern, darin sind sich viele Marktbeobachter einig.

„Für den Handel wird es künftig mehr denn je entscheidend sein, den Kunden professionell auf jedem Vertriebskanal anzusprechen“, sagt SCHUFA-Experte Jochen Senger. Denn für den zähle am Ende der Erwerb eines Produktes, der Weg dorthin sei zweitrangig. „Käufern ist es letztlich egal, ob ihr Einkauf analog oder digital, stationär oder mobil erfolgt“, so Senger. „Entscheidend sind Bequemlichkeit, Sicherheit und Unmittelbarkeit.“ Und so dürfte die Vielfalt beim Shoppen noch wachsen. Die Kanäle und Orte, an denen gehandelt, getauscht und gekauft wird, gehen ineinander über, ergänzen und vermischen sich. Dafür spricht im Übrigen auch, dass sogar jene Händler, die bislang nur im Internet in Erscheinung getreten sind, Outlets gründen. Den Kunden vielfältig ansprechen und zufrieden stellen – darum geht es. Und darum, ob sich Anbieter und Nutzer sicher sein können, mit wem sie es zu tun haben. Vertrauen bleibt die entscheidende Währung.

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